Denglisch live.

Burger essen, Budweiser trinken und ein bisschen beim Line-Dancing zusehen. Und das mitten in Deutschland. Willkommen am Deutsch-Amerikanischen Volksfest. 

Anfang August 2014. Unser vollgepackter Shuttlebus fährt durch den Schranken der Army Base Grafenwöhr. „On base“ sieht es plötzlich so aus, als hätte man sich für die Häuser Inspiration von „Sound of Music“ geholt. Inmitten von Wald und Moos stehen Fachwerkhäuser mit Holz-Fensterläden – die supercheesy ones mit den Löchern in Herzform und in grün. Hier wohnt Sergeant Juarez, wie man unschwer am großen Schild neben der Eingangstüre erkennen kann. Neben den Häusern: ein Glockenturm, wie es sich für einen Dorfplatz gehört.

America in Bavaria
Grafenwöhr in der bayrischen Oberpfalz ist das Dorf neben einem der größten US-Amerikanischen Truppenübungsplätze außerhalb der Vereinigten Staaten. Auf 226km2 – grau auf der Landkarte – erstreckt sich diese „kleine“ Welt für sich.


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This is weird.
Wir sind in Bayern und die Tankstelle, an der wir gerade vorbei fahren, bietet Sprit zu US-Preisen. Daneben Kino, McDonalds, Burger King, die Mall. Alles was man eben so braucht. Den Radiosender „Eagle“ konnte man bereits eine halbe Stunde bevor man hier reingefahren ist hören, man spielt Country und good old Rock. Wir fahren an einer Gruppe junger Männer vorbei, die Basketball spielen. Ihre Maschinengewehre haben sie vorsichtshalber an der Seite abgelegt.

Auf der Tankroad North biegen wir ab. Man lässt uns aussteigen und an der langen Besucherschlange anstehen – man muss es ihnen lassen, wenn die Amis eines können, dann Menschen an Eingängen kontrollieren. Das geht ratzfatz.

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Die Angst im GenickDeutsch Amerikanisches Volksfest
Am Volksfest herrscht entspannte Stimmung. Ich brauche ein bisschen, die Angst für amerikanische Verhältnisse irgendetwas falsch zu machen sitzt mir im Genick. Doch die einzige Person, die von den premises eskortiert wird (soweit ich sehen konnte) ist jemand, der wirklich wirklich viel zu betrunken ist.

Letztes Jahr wurde das Volksfest abgesagt. Sparmaßnahmen. Heuer darf man doch wieder tanzen zu „Low“, oder beim Linedancing mitmachen. Außerdem gebackene Zwiebel im Bierteig essen, mal in die Uniformen schlüpfen und die Panzer begutachten.

Bierzwiebel

Es gibt Mountain Dew, Budweiser und Süßigkeiten. Daneben deutsche Forelle und österreichisches Geschnetzeltes (Grafenwörth, Bezirk Tulln, ist Partnerstadt und mit eigenem Stand vertreten). Man spaziert durch, schnabuliert hier und staunt dort. Hin und wieder wird Veteranen auf die Schulter geklopft und gedankt. Ich lasse mir eine Erkennungsmarke mit Blutgruppe machen. You never know.

Elvis was here
Ein Schießplatz ist das Gelände schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts, nach dem 2. Weltkrieg wurde es zur amerikanischen Base. Der geschichtliche Höhepunkt von Grafenwöhr ist wohl: der sechswöchige Aufenthalt von Elvis Presley in den 1960er Jahren. Der Tiefpunkt: als im September 1960 bei einer Übung eine Granate in das Kasserine Camp einschlug. 17 Menschen wurden getötet und 25 verletzt – bis heute der opferreichste Unfall auf einer Army Base in Deutschland.

We want you.Die Soldaten wohnen hier in „baracks“, die diesen Begriff nur militärisch verdient haben, oder off-base in normalen Häusern (zum Beispiel Netzaberg Housing Area).

Die Familien leben oft sehr lange in Deutschland. Die Kids gehen hier in die Schule, und, man kann es sich vorstellen: viele Amis sind mit Deutschen verheiratet. Die Leute sagen: „Nirgends gibt es so wenig Rassismus wie hier.“

 

 

Nach vier Stunden futtern, trinken, dancen und lächeln ist aber auch wieder genug. Als wir nach Hause fahren, wird der Bus, der vor uns fährt, kontrolliert. Noch einmal geht der Puls nach oben. Endlich draußen aus der US-Blase, klappt mein Mund auch wieder zu.

 

 

 

 

 

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